Position Steuerliche Forschungsförderung weiterentwickeln

Um Deutschland als Standort für Forschung und Entwicklung zu stärken, war es wichtig, dass Deutschland eine steuerliche Forschungsförderung eingeführt hat. Damit wurde die Lücke zu anderen Industrienationen geschlossen. In der Pandemie gewinnt auch die Frage des Standortes der Produktion an Bedeutung. Daher sollte in bestimmten Bereichen auch die steuerliche Förderung bestimmter Produktionen erwogen werden.

Ende 2019 hat der Gesetzgeber die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung beschlossen. Damit wurde eine langjährige Forderung der gesamten Industrie umgesetzt. Der VDGH wertet dies als ein starkes Signal für die Industrie und für den Forschungsstandort Deutschland. Mit der Ausgestaltung als Forschungszulage steht ein skalierbares, technologieoffenes und für alle Unternehmensgrößen zugängliches Instrument zur Verfügung. Erfreulicherweise hat der Gesetzgeber im Laufe des Verfahrens auch eine Regelung aufgenommen, nach der im Falle der Auftragsforschung der Auftraggeber und nicht die auftragnehmende Forschungseinrichtung gefördert wird.

Das Forschungszulagengesetz sollte schrittweise finanziell ausgeweitet werden. Dabei sollte auch der Praxisdialog über die Anforderungen der Unternehmen an das Förderinstrument berücksichtigt werden. Dies ist essenziell für den dauerhaften Erfolg dieses Förderinstrumentes. Perspektivisch ist auch die Begrenzung der maximalen Fördersumme von einer Mio. Euro pro Unternehmen auf den Prüfstand zu stellen. Eine Erhöhung wird insbesondere die Innovationsprozesse im Mittelstand und bei größeren Unternehmen verstärken.

Im Zuge der Corona-Pandemie sind vermehrt Forderungen laut geworden, auch die heimische Produktion zu stärken, um gerade in Krisenzeiten unabhängiger von internationalen Verflechtungen zu sein. Dies zeigte sich beispielsweise in der Diskussion über die Verfügbarkeit von Corona-Impfstoffen. Da es zudem wechselseitige Abhängigkeiten von Forschung und Entwicklung sowie der Produktion gibt, wäre es naheliegend das Instrument der steuerlichen Förderung auch auf bestimmte Produktionen auszuweiten.

Die Förderung der Forschung bleibt insgesamt eine Daueraufgabe. Forschung bildet die Grundlage für Innovationen, die in medizinischer und ökonomischer Sicht notwendig sind. Daher darf der Gesetzgeber jetzt nicht Halt machen. Ansatzpunkte bilden insbesondere eine Verbesserung der Transparenz der Forschungsförderung nach internationalen Vorbildern sowie die Erhöhung der F&E-Förderung für die Wirtschaft, insbesondere für Zukunftsindustrien wie Gesundheitswirtschaft und Bioökonomie.

Schon gewusst?

Fast 13 Prozent der Beschäftigten der Diagnostika- und Life-Science-Research-Industrie sind im Bereich Forschung und Entwicklung tätig. Dies ist ein Spitzenwert im Vergleich zu anderen Industriebranchen.

In aller Kürze: Der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) 

Der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) vertritt als Wirtschaftsverband die Interessen von mehr als 100 in Deutschland tätigen Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von 6,8 Milliarden Euro im Jahr 2022. Sie stellen Untersuchungssysteme und Reagenzien zur Diagnose menschlicher Krankheiten her, mit denen ein Umsatz von mehr als 3,5 Milliarden Euro erzielt wird, sowie Instrumente, Reagenzien, Testsysteme und Verbrauchsmaterialien für die Forschung in den Lebenswissenschaften, mit denen ein Umsatz von 3,3 Milliarden Euro erwirtschaftet wird.

www.vdgh.de