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23. VKD/VDGH-Führungskräfteseminar: Bericht und Bilder

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des VDGH, Ulrich Schmid, eröffnete gestern vor rund 100 Teilnehmern das 23. VKD/VDGH-Führungskräfteseminar für Krankenhausdirektoren. Dies stand am 25. Februar 2016 in Berlin unter dem Motto "Der 7. Sinn im Krankenhaus" und war prall gefüllt mit spannenden Themen zur Diagnostik, effizienteren Strukturen und zu neuen Ansätzen in der Kommunikation.

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Ulrich Schmid, Fotos: Henning Schacht

Erstmals wurde das Seminar an einem Tag durchgeführt und dies stieß bei den Teilnehmern auf große Resonanz. Tagungsort war das Novotel Berlin Tiergarten. Auf die traditionelle politische Diskussion wurde verzichtet, stattdessen war das Seminar in fünf Themenblöcke aufgeteilt, in denen auch die Labordiagnostik ihren festen Platz hatte. „Die Diagnostik bietet u. a. bei der Hygiene, Infektionen und MRSA Möglichkeiten, mit wenig Kosten viel zu erreichen. Die Industrie kann bei den großen Herausforderungen, vor denen die Krankenhäuser stehen, ein entscheidender Partner sein“, sagte Ulrich Schmid zur Begrüßung. Auch in Krankenhäusern seien Benchmarks allgegenwärtig. „Daher ist es wichtig, erhobene Daten zu nutzen, um interne und externe Prozesse zu überdenken“, appellierte Schmid.

VKD-Präsident Dr. Josef Düllings ging in seiner Begrüßung auf das Motto der Veranstaltung ein und sagte: „Die Anforderungen an die Krankenhäuser steigen täglich. Wir streben eine effiziente und kontinuierliche Verbesserungsarbeit an — dies konnte man von der Sendung „der 7. Sinn“ lernen.“

Im Themenblock „ Krankenhaushygiene und Infektionsschutz“ präsentierte Prof. Petra Gastmeier neue wissenschaftliche Daten zur Ausbreitung und Bekämpfung multiresistenter Keime auf Intensivstationen. Die Forscherin machte auf den steigenden Einsatz von Carbapenem-Anwendungen aufmerksam, die zunehmend Resistenzen hervorbrächten. Neue Problemerreger wären auf dem Vormarsch, dazu gehörten KPC, OXA-48, NDM-1, die auch aus Südostasien eingeschleppt würden. Während MRSA-Infektionen durch konsequentes Screening auf Intensivstationen rückläufig sei, machten diese neuen multiresistenten gramnegativen Erreger Probleme. Dennoch sei — noch — kein Grund zur Panik, so Gastmeier. Die Forscherin plädierte für eine bessere Kommunikation im Haus und ein Screening von Patienten, die aus Südostasien eingereist sind. Für die Prävention in Krankenhäusern empfahl Prof. Gastmeier eine Verbesserung der Sicherheitsstrukturen, eine Übersicht über die Daten und eine gute Kooperation mit der eigenen Mikrobiologie. Die Händehygiene sei die Maßnahme erster Wahl sowie eine normale mikrobiologische Diagnostik. Ein Screening sei aus Kostengründen nur bei Risikopatienten empfehlenswert.

Prof. Tom Schaberg (Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg) warb in einem engagierten Anschluss-Vortrag ebenfalls für optimierte Strukturen in Krankenhäusern zur Gewährleistung der Hygiene. „Dieser Bereich verdient Aufmerksamkeit, wenn Sie sich nicht am nächsten Tag mit einer negativen Schlagzeile in den Medien wiederfinden wollen“, so der Experte. „Im Zentrum der Maßnahme steht ein Hygieneteam“, so Schaberg. Hierzu gehörten zusätzlich ausgebildete Fachärzte, Hygiene-beauftragte Ärzte und Pflegekräfte mit kommunikativen Fähigkeiten und organisatorischem Talent.

Prof. Reinhard Büttner (Direktor des Instituts für Pathologie an der Uniklinik Köln) gab einen Überblick über die Erfolge in der Therapie mit Hilfe des Next Generation Sequencings am Beispiel von Lungenkrebs: „Vor fünf Jahren waren wir noch ganz am Anfang der Lungenkrebs-Forschung, heute haben wir die Hälfte des Weges bereits geschafft. Mit Hilfe der molekularen Diagnostik bekommen wir ein kausales Verständnis für die Treiber der Tumoren und können beim Krebswachstum gezielt ansetzen. Es gibt immer mehr definierbare Subgruppen und wir verstehen die molekularen Veränderungen immer besser. Dadurch kommen zunehmend Präzisionsmedikamente zum Einsatz, die das Tumorwachstum gezielt aufhalten oder zum Erliegen bringen.“

Der Kosten-Nutzen-Aspekt im Bereich Diagnostik war auch Thema der Vorträge von Prof. Jens Brümmer (Städtisches Klinikum Karlsruhe) und Prof. Peter Luppa (Klinikum rechts der Isar der TU München). Prof. Brümmer berichtete u. a. über seine Erfahrungen bei der Realisierung eines Laborzentrums am Städtischen Klinikum Karlsruhe und beleuchtete die Entwicklung in der Zusammenarbeit mit den Diagnostikpartnern sowie die Zunahme der molekularen Diagnostik im Praxisalltag. Prof. Luppa referierte zum Thema „Point-of-Care-Testing: Effizienzgewinn oder Kostenfalle“. Die Zuverlässigkeit der Geräte in ihren speziellen Einsatzgebieten war ein Aspekt seines Vortrages, ebenso wie ihre Kostentauglichkeit im Krankenhauseinsatz.

Weitere Vorträge beschäftigten sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen mit Fragen des Krankenhausalltages und machten die Bandbreite von Herausforderungen eines Krankenhausbetriebes sichtbar. So zeigten z. B. Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale Hamburg und Katja Pietsch aus dem Marketing des Städtischen Klinikums Görlitz, welche Möglichkeiten das Internet bietet, auf verschiedenen Wegen Qualität für Patienten transparent zu machen und selbst immer noch viel über sein eigenes Unternehmen zu lernen: Kranich stellte am Beispiel des UKE Hamburg vor, wie Transparenz bereits seit 2004 funktioniert: „Das UKE hat 2004 als erstes Krankenhaus seine Daten zum Qualitätsmanagement komplett online gestellt. Dabei hat sich gezeigt, es war nicht schädigend.“ Und: „Die Transparenz kann helfen, sich gegenseitig zu optimieren.“ Pietsch erläuterte das Potentzial von Social Media für Krankenhäuser. Waren z. B. im Jahr 2010 nur 80 Krankenhäuser bei Facebook, waren es im letzten Jahr schon 403. „Bei 2000 Krankenhäusern in Deutschland ist allerdings noch viel Luft nach oben“, sagte die Marketingexpertin. „Es gibt keine bessere Möglichkeit zu erfahren, wie Patienten über Ihr Haus sprechen. Die Menschen reden über das Krankenhaus, ob Sie mitmachen oder nicht. Deshalb sollte Ihr Unternehmen dabei sein“, so Pietsch.

Peter Förster (WestpfPfalz-Klinikum Kaiserslautern) erläuterte dagegen die Umfrage-Realität seines Krankenhauses und machte deutlich, dass die geforderte Transparenz auf den Schultern der Angestellten im Krankenhaus ausgetragen werde: „Die Anfragen kommen von Ministerien, Verbänden, Studenten, Firmen, Medien und auch von uns selbst. Die Umfragen sind mit Arbeitszeit verbunden, die die Mitarbeiter abfangen müssen.“

Neben den Aspekten Transparenz und Kommunikation gab es weitere Felder, die die Teilnehmer aus dem Klinikalltag interessierten: Dr. Maya Niethard (HELIOS-Klinikum Buch) erläuterte die berufsspezifische Problematik von schwangeren Chirurginnen am OP-Tisch und stellte dazu ein neues Projekt vor; Prof. Dirk Abel gab einen technischen Abriss über die Vorteile und Möglichkeiten beim Einsatz von modernen Robotern im Klinikalltag; Peter Asché (Klinikum Aachen) stellte u. a. die Entwicklung einer elektronischen „FallAkte“ vor, basierend auf dem EFA-Standard. Dieses Projekt bringt sein Haus derzeit zusammen mit Unterstützung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem TÜV-Saarland auf den Weg. Asché stellte fest: „Ohne eine verbesserte Kommunikation von Behandlungsinformationen gibt es keine höhere Versorgungsqualität“. Eine sektorenübergreifende Vernetzung sei notwendig sowie eine IT-Infrastruktur, die flächendeckend zum Einsatz kommen kann. Wie wichtig Kommunikation ist, zeigte auch die Ärztin und Beraterin Dr. Mirriam Prieß aus Hamburg auf. Ihr Vortrag „Mein 48-Stunden-Tag — wie helfe ich überlasteten Mitarbeitern“ sollte die Krankenhausmanager für Stress-Symptome ihrer Mitarbeiter sensibilisieren. Ihr Rat „Bleiben Sie im Dialog“.

Dies werden auch die Veranstalter des Seminares beherzigen und im kommenden Jahr den Dialog zwischen dem Krankenhausmanagement und der Industrie fortsetzen.

Eine Auswahl von Fotos finden Sie in der  Galerie.