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23. September 2019
Präeklampsiediagnostik: Schwangerschaftsvergiftung - Biomarker schaffen Klarheit

Die Präeklampsie, auch Schwangerschaftsvergiftung genannt, ist eines der großen ungelösten Probleme in der Schwangerschaft. Die Diagnose ist bislang schwierig, weil die Leitsymptome - erhöhter Blutdruck und erhöhte Eiweißausscheidung im Urin - auch bei schweren Verläufen häufig fehlen. Umgekehrt können diese unspezifischen klinischen Symptome aber auch durch andere Grunderkrankungen, z. B. eine chronische Nierenerkrankung, verursacht sein.

Zudem ist der zum Teil dramatische Verlauf der Erkrankung mit den bisherigen Mitteln nicht vorhersehbar.

Mittlerweile stehen Biomarker zur Verfügung, die eine erheblich größere Trennschärfe als die bisherige Standarddiagnostik aufweisen. Zudem erlauben die beiden einfachen Tests eine zuverlässige Kurzzeitvorhersage der Erkrankung  und ermöglichen so eine auf das individuelle Risiko angepasste Behandlung. Diese Ergebnisse der PROGNOSIS-Studie waren 2015 im renommierten New England Journal of Medicine publiziert worden. Die beiden Proteine, aus denen- abhängig vom eingesetzten Test -  ein Quotient gebildet wird, heißen sFlt-1 (soluble fms-like Tyrosinkinase-1) und PlGF (Placental Growth Factor) und gehören zu den sogenannten Angiogenesefaktoren.

Als Untersuchungsmaterial sollte stets Serum verwendet werden, das nicht länger als 48 Stunden bei 2–8° C gelagert wurde.

EBM-Abrechnung:
Zur Diagnostik einer Präeklampsie in der Schwangerschaft werden zum 1. Oktober 2019 zwei neue Marker in den EBM aufgenommen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen dann die Kosten für die Bestimmung der PIGF-Konzentration (GOP 32362 - 19,40 Euro) oder des sFlt 1/PIGF-Quotienten (GOP 32363 - 62,25 Euro). Die Durchführung der Tests darf nur erfolgen, wenn im Vorfeld mindestens eines der folgenden Kriterien der Präeklampsie festgestellt worden ist:  

◦Neu auftretender oder bestehender Hypertonus

◦Präeklampsie-assoziierter organischer oder labordiagnostischer Untersuchungsbefund, welcher keiner anderen Ursache zugeordnet werden kann

◦Fetale Wachstumsstörung

◦auffälliger dopplersonographischer Befund der Aa. uterinae in einer Untersuchung nach der GOP 01775

Die neuen Präeklampsie-Marker sollen für zunächst zwei Jahre extrabudgetär vergütet werden.

GOÄ-Abrechnung:
Die Abrechnung erfolgt nach der GOÄ-Ziffer 4069 (29,15 im einfachen Satz bei Einmalbestimmung).

Labortipp_Präeklampsiediagnostik - Biomarker schaffen Klarheit über Schwangerschaftsvergiftung | pdf | 186 KB